Urinveränderungen und Beschwerden beim Wasserlassen

Veränderungen des Urins

Veränderungen des Urins

© Dr. med. Arne Schäffler; Dr. med. Brigitte Strasser-Vogel; in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Redaktionelle Bearbeitung: Miriam Knauer
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Veränderungen des Urins

können die Farbe oder die Trübung betreffen. Bei

Farbveränderungen

des Urins verliert der Harn seine normale, hell- bis dunkelgelbe Farbe, die er durch abgebaute Gallenfarbstoffe bekommt. Farbveränderungen können harmlos sein, etwa durch Farbstoffe aus Nahrungsmitteln oder Medikamenten, aber auch Folge ernsthafter Erkrankungen, insbesondere von Leber und Gallenwegen. Erste Hinweise auf eine zugrundeliegende Erkrankung kann ein Urin-Schnelltest liefern. Dieser Test wird von jedem Hausarzt angeboten oder lässt sich mit Urin-Teststreifen aus der Apotheke einfach zuhause anwenden: Der Teststreifen wird in den Urin getaucht und nach wenigen Minuten lassen sich Urinveränderungen an der Farbskala ablesen, die auf Harnwegsinfekte, Diabetes, Nieren- und Leberkrankheiten hindeuten. Auffällige Testergebnisse klärt der Arzt durch weiterführende Untersuchungen ab. Bei hoher Trinkmenge scheiden die Nieren mehr Flüssigkeit als gewöhnlich aus, die Gallenfarbstoffe werden verdünnt und der Urin dadurch fast wasserklar. Wenn hingegen durch Schwitzen, Fieber, Durchfall oder Erbrechen viel Körperwasser verloren geht oder die Trinkmenge nicht ausreicht, produzieren die Nieren einen konzentrierten, dunkleren und stärker riechenden Urin.

Trübungen

des Urins sind oft weniger harmlos und können v. a. bei Männern auf krankhafte Beimengungen von Blutbestandteilen, Eiter oder Zellen hinweisen. Bei Frauen mischt sich manchmal Scheidensekret zum Urin und verursacht dort eine bedeutungslose Trübung.

Beschwerdebilder, ihre Ursachen, Maßnahmen und Selbsthilfe

Rosafarbener, bräunlicher bis blutig-roter Urin mit Schmerzen in Flanke, Unterbauch oder Harnröhre; evtl. übler Geruch

Ursachen:

Blut im Urin (Hämaturie) bei
  • Blasenentzündung
  • Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis)
  • Nierensteinen
  • Gutartiger Prostatavergrößerung
  • Niereninfarkt (06m19Verschluss einer Nierenarterie oder -vene, z. B. durch Blutgerinnsel oder eine Thrombose)
  • Nierenverletzung, Harnblasenverletzung oder Harnröhrenverletzung
  • Nierenkrebs, Harnblasenkrebs
  • Fremdkörper in der Harnröhre
  • Selten: Bilharziose (06m20Tropische Wurmerkrankung, bei der die Erreger u. a. in die Harnblase gelangen und dort eine chronische Entzündung auslösen)

Maßnahme:

  • Bei erstmaligem Auftreten am selben oder nächsten Tag zum Hausarzt oder Urologen

Rosafarbener, bräunlicher bis blutig-roter Urin ohne begleitende Schmerzen; evtl. übler Geruch

Ursache:

Blut im Urin (Hämaturie), z. B. bei
  • Glomerulonephritis
  • Nierenkrebs, Harnblasenkrebs
  • Blutbeimengung aus der Scheide (Periodenblutung)
  • Krankhafte Blutungsneigung
  • Einnahme gerinnungshemmender Medikamente

Maßnahme:

  • Bei erstmaligem Auftreten am selben oder nächsten Tag zum Hausarzt oder Urologen

Klarer, roter Urin ohne begleitende Schmerzen

Ursachen:

  • Verzehr bestimmter Nahrungsmittel, z. B. Roter Beete, Brombeeren oder Pilze
  • Einnahme bestimmter Medikamente, z. B. mancher Wurmmittel (Anthelmintika), Bluthochdruckmittel, Sulfonamide

Maßnahme:

  • In den nächsten Tagen zum Hausarzt oder Urologen, wenn Sie sich nicht sicher sind

Bräunlicher bis kräftig brauner Urin; heller Stuhl; gelbliche Verfärbung von Augen und Haut; evtl. Juckreiz; evtl. Oberbauchschmerzen

Ursache:

Gelbsucht (Ikterus), z. B. bei
  • Rechtsherzinsuffizienz
  • Akuter Virushepatitis (Leberentzündung)
  • Leberzirrhose
  • Gallensteinen

Maßnahme:

  • Am selben Tag zum Hausarzt, am Wochenende in die Klinik

Zitronengelber Urin

Ursache:
  • Folge von Rhabarbergenuss
Maßnahme:
  • keine erforderlich; die Verfärbung ist harmlos und verschwindet binnen Stunden

Orangefarbener Urin

Ursachen:

  • Einnahme von Vitamintabletten
  • Einnahme bestimmter Medikamente, z. B. mancher Antibiotika, Tuberkulostatika

Maßnahme:

  • keine erforderlich; die Verfärbung ist harmlos und verschwindet binnen Stunden

Heller bis wasserklarer Urin bei großer Urinmenge; starker Durst; trockene Schleimhäute, stehende Hautfalten; evtl. Verwirrtheit oder Benommenheit

Ursache:

Polyurie, z. B. bei
  • Übermäßiger Trinkmenge
  • Übermäßigem Alkoholgenuss
  • Diabetes mellitus
  • Diabetes insipidus
  • Nebenschilddrüsen-Überfunktion
  • Spätstadium eines akuten Nierenversagens
  • Frühstadium eines chronischen Nierenversagens
  • Psychisch bedingter Steigerung der Trinkmenge (psychogene Polydipsie)
  • Medikamenteneinnahme, z. B. Diuretika, manchen Antibiotika, Lithium

Maßnahme:

  • In den nächsten Tagen zum Hausarzt, wenn keine entsprechende Grunderkrankung bekannt ist

Schaumiger Urin; rasche Gewichtszunahme; Wassereinlagerung, zuerst sichtbar im Gesicht

Ursache:

Eiweiß im Urin (Proteinurie), z. B. bei
  • Nephrotischem Syndrom
  • Glomerulonephritis
  • Diabetischer Nephropathie

Maßnahme:

  • Am selben Tag zum Hausarzt oder Urologen

Übelriechender Urin

Ursachen:

  • Verzehr bestimmter Nahrungsmittel, z. B. roher Knoblauch, rohe Zwiebeln, Spargel
  • Blasenentzündung
  • Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis)
  • Vesikorenaler Reflux
  • Stark reduzierte Urinmenge (Oligurie), z. B. bei akutem Nierenversagen oder bei Austrocknung (Dehydratation), etwa im hohen Alter

Maßnahme:

  • Am selben Tag zum Hausarzt oder Urologen, wenn der Geruch nicht durch Nahrungsmittel verursacht ist

Blasiger oder jauchiger Urin

Ursache:

Luft- oder Stuhlbeimengung durch Darmfistel (Verbindungsgang zwischen Darm und Blase oder Harnröhre), z. B. bei
  • Chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen
  • Darmkrebs, Harnblasenkrebs
  • Darmverletzungen, z. B. nach Operation oder Bestrahlung

Maßnahmen:

  • In den nächsten Tagen zum Hausarzt oder Urologen

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