Allgemeine Beschwerden

Bewusstseinsverminderung

Bewusstseinsverminderung

06t1106t12Eine

Bewusstseinsverminderung

beschreibt eine abnehmende Wachheit und kann sich über Minuten oder Stunden, aber auch zunächst fast unmerklich über Wochen und Monate entwickeln. Je nachdem wie stark sie ausgeprägt ist, lassen sich unterschiedliche Stadien bestimmen. Bei der anfänglichen Benommenheit wirken Betroffene etwas dösig oder reagieren langsamer als sonst, manchmal kommen auch Verwirrtheit und Desorientierung hinzu. Von Somnolenz spricht die Ärzt*in bei zunehmender Schläfrigkeit, wie sie auch bei starker Erschöpfung oder Fieber auftritt. Eine ausgeprägtere Form ist der Sopor, bei dem die Betroffene nur noch sehr schwer zu wecken und wach zu halten ist. Die schwerste Form ist die tiefe Bewusstlosigkeit mit Fehlen (fast) jeglicher Reaktion auf Anruf und Schmerzreize: Die Patient*in "ist im Koma". Zugrunde liegen dann schwere Erkrankungen wie ein Schlaganfall, eine starke Stoffwechselentgleisung (Unterzuckerung, Nebennierenrinden-Unterfunktion), eine schwere Schädelverletzung oder auch eine akute Vergiftung. Die Ursache einer Bewusstseinsverminderung ist häufig schwierig zu beurteilen. Gelegentlich finden sich an der komatösen Patient*in Hinweise auf die zugrundeliegende Erkrankung. So ist bei schwerer Schilddrüsenüberfunktion die Hautfarbe des Gesichts deutlich gerötet und die Haut schweißnass. Auch der Mundgeruch ist oft auffallend, z. B. lehmerdig bei Leberversagen, urinartig bei Nierenversagen und obstartig bei Unterzuckerung.

Beschwerdebilder, ihre Ursachen, Maßnahmen und Selbsthilfe

Zunehmende Bewusstseinsverminderung; evtl. Seh- oder Sprachstörungen; evtl. einseitige Lähmungen; evtl. einseitige Empfindungsstörungen

Ursache:

  • Schlaganfall

Maßnahmen:

  • Notärzt*in rufen
  • Stabile Seitenlage bei Bewusstlosigkeit06k17

Zunehmende Bewusstseinsverminderung mit stärksten bis unerträglichen Kopfschmerzen; Erbrechen, Übelkeit; evtl. Seh- oder Sprachstörungen; evtl. Krampfanfälle; evtl. Lähmungen

Ursachen:

  • Hirnaneurysmablutung
  • Schlaganfall
  • Subarachnoidalblutung
  • Hirnvenenthrombose oder Hirnsinusthrombose
  • Blutdruckentgleisung (hypertensive Krise)

Maßnahmen:

  • Notärzt*in rufen
  • Stabile Seitenlage bei Bewusstlosigkeit

Zunehmende Bewusstseinsverminderung bis 12 Stunden nach einer Kopfverletzung; unterschiedlich weite Pupillen; evtl. Krampfanfälle; evtl. Halbseitenlähmung

Ursachen:

  • Epiduralblutung
  • Akute Subduralblutung

Maßnahmen:

  • Notärzt*in rufen
  • Stabile Seitenlage bei Bewusstlosigkeit

Zunehmende Bewusstseinsverminderung bei längerem Aufenthalt in Hitze oder Sonne; Schwindel, Schwäche; heiße, trockene, rote Haut, kein Schwitzen; starker Durst, Mundtrockenheit; Kopfschmerzen, Erbrechen

Ursachen:

  • Hitzschlag
  • Sonnenstich

Maßnahmen:

  • Notärzt*in rufen oder in die nächste Klinik bei vermindertem Bewusstsein
  • Kopf vorsichtig mit Wasser kühlen
  • Kaltes Fußbad, wenn Betroffene noch fit auch Dusche
  • Kleidung nass machen, flach lagern
  • Getränk in kleinen Schlucken geben
  • Bei Bewusstlosigkeit stabile Seitenlage

Zunehmende Bewusstseinsverminderung mit obstartigem Mundgeruch bei bekanntem Diabetes, aber oft auch als Erstsymptom bei unbekanntem Diabetes Typ 1; auffallend rotes Gesicht, tiefe Atmung; Bauchschmerzen, Erbrechen

Ursache:

  • Ketoazidotisches Koma, meist bei Typ-1-Diabetes

Maßnahmen:

  • Notärzt*in rufen
  • Falls möglich, sofort Blutzucker im Urin (Urin-Teststreifen) messen

Zunehmende Bewusstseinsverminderung bei meist bekanntem Diabetes; starker Durst, trockene Schleimhäute; Übelkeit, Erbrechen

Ursache:

  • Hyperosmolares Koma, meist bei Typ-2-Diabetes

Maßnahme:

  • Notärzt*in rufen

Zunehmende Bewusstseinsverminderung mit vorangehendem Schwitzen, Zittern und Herzklopfen; innerer Unruhe

Ursachen:

  • Unterzuckerung (Hypoglykämie) oder hypoglykämischer Schock bei Diabetes
  • Entzugssyndrom bei Alkoholabhängigkeit und Drogenabhängigkeit

Maßnahmen:

  • Notärzt*in rufen bei eingetretener Bewusstlosigkeit
  • Bei Diabetiker*innen mit noch erhaltenem Bewusstsein Fruchtsaft oder Softdrink zu trinken geben oder einflößen

Verwirrtheit und zunehmende Bewusstseinsverminderung bei meist bekannter Nierenerkrankung; tiefe Atmung, urinartiger Mundgeruch; Zittern der Hände; Erbrechen, (blutiger) Durchfall

Ursache:

Nierenkoma bei
  • Chronischem Nierenversagen
  • Akutem Nierenversagen

Maßnahmen:

  • Notärzt*in rufen
  • Betroffene bei Bewusstlosigkeit in stabile Seitenlage bringen

Verwirrtheit und zunehmende Bewusstseinsverminderung bei meist bekannter Lebererkrankung; leberartiger Mundgeruch; Gelbsucht (Ikterus); Zittern der Hände, verwaschene Sprache

Ursache:

Leberausfallkoma, z. B. bei
  • Leberzirrhose
  • Akutem Leberversagen

Maßnahmen:

  • Notärzt*in rufen
  • Stabile Seitenlage bei Bewusstlosigkeit

Zunehmende Bewusstseinsverminderung bei auffallender Braunfärbung der Haut; starkes Untergewicht; Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen; trockene Schleimhäute

Ursache:

  • Addison-Krise bei Nebennierenrinden-Unterfunktion

Maßnahmen:

  • Notärzt*in rufen
  • Stabile Seitenlage bei Bewusstlosigkeit

Zunehmende Bewusstseinsverminderung mit auffallend langsamer Atmung; meist teigige Gesichtsschwellung; trockene kühle Haut, struppiges Haar

Ursache:

  • Myxödemkoma (hypothyreotes Koma) bei Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)

Maßnahmen:

  • Notärzt*in rufen
  • Betroffene wärmen und bei Bewusstlosigkeit in stabile Seitenlage bringen

Zunächst Verwirrtheit und Erregung, dann zunehmende Bewusstseinsverminderung bei meist bekannter Schilddrüsenerkrankung; hohes Fieber; rotes Gesicht, heiße schweißige Haut

Ursache:

  • Thyreotoxische Krise bei Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)

Maßnahmen:

  • Notärzt*in rufen
  • Stabile Seitenlage bei Bewusstlosigkeit

Zunehmende Bewusstseinsverminderung mit verschiedenen Beschwerden; oft bei depressiven Menschen, Alkohol- oder Drogenabhängigen; evtl. nach geäußerten Selbstmordabsichten

Ursachen:

  • Vergiftung, meist mit Medikamenten
  • Alkoholrausch bis Alkoholkoma
  • Überdosis harter Drogen

Maßnahmen:

  • Bei Vergiftungsverdacht Giftnotruf, sonst Notärzt*in rufen
  • Nach verdächtigen Fläschchen, Behältern, Spritzen oder Zeichen einer Selbstmordabsicht (z. B. Abschiedsbrief) suchen

Ihre Apotheke empfiehlt

Bewusstseinsverminderung ernst nehmen.

Die ältere Verwandte ist nur etwas müde? Der kaum ansprechbare Sitznachbar in der Straßenbahn nur betrunken? Anzeichen für Bewusstseinsverminderungen werden oft fehlinterpretiert. Rufen Sie lieber einmal zu oft die Ärzt*in, bevor sie Anzeichen für eine ernste Erkrankung übersehen.

Schnell reagieren.

Ist das Bewusstsein ganz plötzlich vermindert, könnte ein Schlaganfall dahinter stecken. Weitere Anzeichen sind eine verwaschene Sprache oder, dass die Betroffene nicht mehr beide Mundwinkel und Arme anheben kann. Informieren sie beim kleinsten Verdacht sofort die Notärzt*in, denn: Beim Schlaganfall zählt jede Minute ("time is brain").

Die Umgebung prüfen.

Das Umfeld gibt möglicherweise Hinweise auf die Ursache der Bewusstseinsverminderung. Das sind z. B. leere Alkoholflaschen oder Spuren von Drogenkonsum (Spritzen, Spuren weißen Pulvers,–). Diabetiker hingegen tragen oft einen Diabetikerausweis bei sich.

Kollegen und Freunde informieren.

Vielen Betroffenen ist es unangenehm, über ihre chronische Erkrankung zu sprechen. Es ist aber wichtig, dass das Umfeld Bescheid weiß und eine mögliche Bewusstseinsminderung richtig interpretiert, z. B. eine Ohnmacht bei entgleistem Diabetes. Informieren Sie gerade die Personen, die im Alltag viel Zeit mit Ihnen verbringen, also etwa die Kollegin, die sich mit Ihnen ein Büro teilt.

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